Androgyne Ambiguität ...
... oder: Was habe ich mit Bill Kaulitz und Marilyn Manson gemeinsam?
Morgen wird ein mehrseitiger Artikel im Spiegel erscheinen mit der Thematik der Zwischengeschlechtlichkeit, Intersexualität, Hermaphroditismus ... wie auch immer man es benennen mag. In jedem Fall wird es unter anderem auch um Menschen wie mich gehen.
Nun entdecke ich auf Spiegel-Online (E-Papers) große Fotos der oben genannten Akteure als Aufmacher für diese Story.
Nichts gegen Publicity, die ist in jedem Fall gut und auch notwendig. Schade ist es dennoch, daß hier nur wieder mit Äußerlichkeiten Quote gemacht werden kann. Interessant scheinen intersexuelle Menschen nur dann zu sein, wenn man es ihnen auch ansieht. Und da müssen dann immer wieder Menschen ihren Kopf hinhalten, die mit ihrer Androgynität spielen, ein Vexierbild im Bezug auf die Geschlechtlichkeit bieten können.
Ich biete eben dieses Bild nicht ... gestatten, Schlepp, 38 Jahre, Diagnose: Komplette Androgenresistenz, will sagen, theoretisch, chromosomal bin ich ein Kerl. Leider hat sich keiner der Rezeptoren in meinem Körper für das ausgeschüttete Testosteron verantwortlich gefühlt, und damit die versammelte Menge an Rezeptoren nicht so teilnahmslos dumm rumstehen haben sie beschlossen, stattdessen haufenweise Östrogene zu akzeptieren. Resultat, ein weiblicher Körper aber ohne Fortpflanzungsorgane, mal abgesehen von ein paar innenliegenden haselnußgroßenEiern Gonaden. "Abgefahren, was es nicht alles gibt." Naja, jetzt stecke ich hier drin, habe mich nach all den Jahren damit arrangiert. Es war oft ein harter Weg.
Worauf ich aber eigentlich hinaus will. Gerade die Tatsache, daß man mir nichts ansieht, hat den Arzt damals dazu veranlaßt, meinen Eltern und mir ein Schweigegelübde aufzuerlegen. "Reden Sie mit niemandem drüber ... Die Leute verstehen das sowieso nicht". So lief ich also jahrelang durch die Welt, mit der perfekten Tarnung. Dieses jahrelange Schweigen war die härteste Zeit meines Lebens, ich habe sehr darunter gelitten. Mittlerweile, dank Internet, durch das Auffinden zahlreicher Geschlechtsgenossinnen rede ich mit jedem darüber, der es nicht wissen will, und das tut so verdammt gut.
Leider interessiert das keine Sau. Die innere Zerrissenheit, oder auch die Frage warum ein Arzt glaubt, daß die Menschen mit XY-Frauen nicht umgehen können, scheint bei weitem nicht so interessant wie eine dicke Lage Kajal bei einem pubertierenden Minirocker oder einem sog. "Schockrocker". Eigentlich schade.
Werde mir morgen aber trotzdem einen Spiegel kaufen. Vielleicht hab ich auch nur was falsch verstanden ...
Morgen wird ein mehrseitiger Artikel im Spiegel erscheinen mit der Thematik der Zwischengeschlechtlichkeit, Intersexualität, Hermaphroditismus ... wie auch immer man es benennen mag. In jedem Fall wird es unter anderem auch um Menschen wie mich gehen.
Nun entdecke ich auf Spiegel-Online (E-Papers) große Fotos der oben genannten Akteure als Aufmacher für diese Story.
Nichts gegen Publicity, die ist in jedem Fall gut und auch notwendig. Schade ist es dennoch, daß hier nur wieder mit Äußerlichkeiten Quote gemacht werden kann. Interessant scheinen intersexuelle Menschen nur dann zu sein, wenn man es ihnen auch ansieht. Und da müssen dann immer wieder Menschen ihren Kopf hinhalten, die mit ihrer Androgynität spielen, ein Vexierbild im Bezug auf die Geschlechtlichkeit bieten können.
Ich biete eben dieses Bild nicht ... gestatten, Schlepp, 38 Jahre, Diagnose: Komplette Androgenresistenz, will sagen, theoretisch, chromosomal bin ich ein Kerl. Leider hat sich keiner der Rezeptoren in meinem Körper für das ausgeschüttete Testosteron verantwortlich gefühlt, und damit die versammelte Menge an Rezeptoren nicht so teilnahmslos dumm rumstehen haben sie beschlossen, stattdessen haufenweise Östrogene zu akzeptieren. Resultat, ein weiblicher Körper aber ohne Fortpflanzungsorgane, mal abgesehen von ein paar innenliegenden haselnußgroßen
Worauf ich aber eigentlich hinaus will. Gerade die Tatsache, daß man mir nichts ansieht, hat den Arzt damals dazu veranlaßt, meinen Eltern und mir ein Schweigegelübde aufzuerlegen. "Reden Sie mit niemandem drüber ... Die Leute verstehen das sowieso nicht". So lief ich also jahrelang durch die Welt, mit der perfekten Tarnung. Dieses jahrelange Schweigen war die härteste Zeit meines Lebens, ich habe sehr darunter gelitten. Mittlerweile, dank Internet, durch das Auffinden zahlreicher Geschlechtsgenossinnen rede ich mit jedem darüber, der es nicht wissen will, und das tut so verdammt gut.
Leider interessiert das keine Sau. Die innere Zerrissenheit, oder auch die Frage warum ein Arzt glaubt, daß die Menschen mit XY-Frauen nicht umgehen können, scheint bei weitem nicht so interessant wie eine dicke Lage Kajal bei einem pubertierenden Minirocker oder einem sog. "Schockrocker". Eigentlich schade.
Werde mir morgen aber trotzdem einen Spiegel kaufen. Vielleicht hab ich auch nur was falsch verstanden ...
schlepp - 18. Nov, 20:15
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